Willkommen

Hallo!

🙂
Ihr seid (vermutlich) hier hergekommen, weil Ihr Euch mit Awareness* beschäftigen möchtet oder das schon tut und konkrete Anregungen dazu sucht. Wir möchten uns und den Zusammenhang, in dem die folgenden Materialien entstanden sind, zunächst kurz vorstellen.

„Wir“ – das ist eine Gruppe aus 6 bis 9 Leuten, die für das GenderCamp 2012 (http://www.gendercamp.de/, Doku: https://gendercamp.posterous.com/) das Awareness-Team gebildet hat. Die Gruppe, die direkt auf dem Camp gearbeitet hat, besteht in dieser Form nicht mehr, einige von uns arbeiten aber immer noch sporadisch zusammen. Die von uns entwickelten Materialien sollen auf diesem Blog zur Verfügung gestellt werden.
Alle hier aufgeführten Materialien wurden für und im Rahmen des GenderCamps 2012 entwickelt. Einige Sachen entstanden aus der Gruppe, bei anderen bauen wir auf schon vorhandenes Material auf – das ist jeweils angegeben. Die Materialien sind keinesfalls vollständig und so auch nicht gedacht, sondern offen für Veränderungen und Weiterbearbeitung für Eure Zwecke.

Wir haben von den Teilnehmenden Anregungen und Kritik zu unseren Materialien bekommen, die wir hier mit benennen möchten, damit Ihr möglichst gut darauf aufbauen könnt. Kritiken und Ergänzungen zu den einzelnen Produkten findet Ihr also auf den jeweiligen Seiten. Generell sind die Materialien nicht umfassend barrierefrei, da lohnt sich also eine Überarbeitung. Allgemeinere Kritiken an unserer Arbeit findet Ihr auch noch einmal auf einer separaten Seite.

Alle Materialien – wenn nicht anders angegeben – stehen unter der Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Sie sind also explizit dazu gedacht, weiterbearbeitet, verändert, verbessert und auf anderen Veranstaltungen eingesetzt zu werden.

Wir wünschen Euch viel Spaß und eine schöne Veranstaltung!

* Was meinen wir mit Awareness?

Unter Awareness verstehen wir ein machtkritisches Bewusstsein für die eigene Position. Unsere gesellschaftliche Position wird von strukturellen Machtverhältnissen mitbestimmt. In sozialen Gefügen wirkt sich das auf die Teilnehmenden aus. Menschen, die gesellschaftlich privilegiert sind, haben es häufig(!) leichter; andere, die öfter Diskriminierung erleben, haben es häufig(!) schwerer. Die unterschiedliche Positioniertheit muss sichtbar gemacht werden, wenn eine Veranstaltung möglichst angenehm für alle Beteiligten ablaufen soll. Awareness versucht, das Bewusstsein für Ungleichheiten zu schaffen/zu schärfen und produktiv mit diesen umzugehen. Awareness-Arbeit hat also das Ziel, mit allen Beteiligten diskriminierungsfreie(re) soziale Räume herzustellen.

„Awareness-Teams“ (manchmal auch „Unterstützungsgruppen“ genannt) gestalten Veranstaltungen mit, damit sich dort möglichst viele Menschen möglichst wohlfühlen können.
Das kann ganz Verschiedenes bedeuten und ist abhängig von vielem, beispielsweise Thema und Örtlichkeit der Veranstaltung oder Publikum.
Im Falle der Veranstaltung, auf die wir uns vorbereitet hatten, wollten wir unter anderem

  • es den Anwesenden erleichtern, sich in großen Gruppen zu äußern. Dabei lag unser Augenmerk auf denjenigen, die sich nicht von einer Position aus äußern, die in unserer Gesellschaft eh meistens/immer wahrgenommen wird. (Wenn Ihr zu weniger privilegierten Positionen mehr wissen wollt, dann findet Ihr hilfreiche Texte in der Leseecke.)
  • es den Teilnehmer_innen erleichtern, die laufende Veranstaltung zu reflektieren, Kritik an ihr, an Gruppendynamiken oder Einzelpersonen zu äußern (und nach Wunsch dabei anonym zu bleiben).
  • den Teilnehmer_innen Formulierungsvorschläge anbieten, um Bedürfnisse zu äußern, zum Beispiel um auf großen mehrtägigen Veranstaltungen ihre Privat- oder Intimsphäre so zu handhaben wie es ihnen angenehm ist.
  • Wissen bereitstellen, auf das Teilnehmer_innen zurückgreifen konnten, um sich in Ruhe mit Themen auseinanderzusetzen, die vielleicht für sie noch neu waren. Dadurch sollten diejenigen entlastet werden, die dieses (meist marginalisierte) Wissen sonst hätten erklären müssen. Gleichzeitig sollte eine Atmosphäre geschaffen werden, in der selbständiges Lernen möglich und erwünscht ist.
  • ein respektvolles Ansprechen aller Anwesenden unterstützen, das Selbstverortungen, selbst gewählte Namen und als passend empfundene Pronomen berücksichtigt und klar über Fremdzuschreibungen stellt.

Bild: Hosentaschenzine unter einer Katzentatze
Hosentaschenzine unter einer Katzentatze

„Awareness is awesome“?

Diese Aussage ist nicht nur Titel dieses Blogs, sondern auch auf dem Hosentaschenzine und dem Plakat mit den Wohlfühltipps zu finden.

Für uns war ausschließlich die positive Bedeutung von „awesome“ als „großartig“/“phantastisch“ Grund, den Ausdruck „Awareness is awesome!“ als eine Art Werbespruch zu verwenden. Mit dem Spruch, der eine Anspielung auf das Motto „Technology is magic“ des Gendercamp 2012 ist, wollten wir unsere Begeisterung für Awareness als politische Praxis verdeutlichen und zur Auseinandersetzung mit den vorbereiteten Materialien anregen.

„Awesome“ kann aber auch mit „furchteinflößend“/“beängstigend“ übersetzt werden, was – wie bereits erwähnt – von uns während der Vorbereitung außer Acht gelassen wurde, und hier an dieser Stelle thematisiert werden soll.
Denn tatsächlich trifft auch diese Aussage auf Awareness-Arbeit zu: Werden Menschen zu mehr Umsicht und Selbst-Kritik angeregt, können die Reaktionen darauf sehr unterschiedlich ausfallen. Unter anderem können Reaktionen ablehnend sein, da erhöhte Awareness immer auch ein potentielles Aufgeben eigener Vorteile bedeutet. Je nach dem, wie dann Awareness-Ideen umgesetzt werden, kann es sein, dass Menschen das als eine Zwangs-Struktur, die ihnen übergestülpt wird, wahrnehmen und auch so darüber kommunizieren. Der Fokus, eine Veranstaltung / einen Raum für mehr Menschen zugänglich und zumutbarer zu gestalten, gelangt dadurch leider vollkommen in den Hintergrund.

Es kann also sinnvoll sein, sich dem Spektrum von „awesome“ zu öffnen, das Awareness-Arbeit mit sich bringen kann:
Sowohl die Prozesse und Arbeit (innerhalb) einer vorbereitenden Gruppe wertzuschätzen, als auch mit Abwehrhaltungen einen Umgang zu finden. Im Voraus lohnt es sich hierfür auch, Beteiligungsmöglichkeiten und Einsicht in die Arbeit des Awareness-Teams sicherzustellen (mehr dazu auf der Seite Kritik und Reflexion).