Duschampel

Eine Duschampel kann eingesetzt werden, um die Benutzung von Gemeinschaftsduschen zu regeln. Wir haben sie auf dem GenderCamp 2012 vorgeschlagen, um das Duschen für alle möglichst angenehm zu gestalten. Die Idee ist, dass die Teilnehmer_innen an der Tür beschreiben können, wie sie duschen möchten: Allein, mit anderen oder nur mit bestimmten anderen.

Die vorgeschlagenen Kategorien können helfen, den Raum zu definieren. Leute, die auch duschen wollen, können sehen, ob der Raum für sie geöffnet ist oder nicht. Die Kategorien sollen und wollen keine „vollständige Realität“ abbilden. Sie sollen eine Hilfestellung anbieten. Auf den Plakaten war genug Platz für eigene Ergänzungen oder Änderungen durch die Teilnehmer_innen.

Denkt bitte daran, dass Kategorien nie wirklich widerspiegeln können, wie Ihr Euch verortet oder von anderen gelesen werden wollt. Wir bitten Euch deshalb, Euch selbstverantwortlich in diesem Raum zu bewegen und Euch nicht auf die Kategorien als Lösung zu verlassen.

Bild vom Plakat: Duschampel
Plakat: Duschampel

Die Dusche / das Bad ist

  • leer
  • offen für alle
  • besetzt
  • für sich weiblich definierende Menschen
  • für Cis-Frauen (Menschen, die bei der Geburt als weiblich eingeordnet wurden und sich als Frauen definieren)
  • für sich männlich definierende Menschen
  • für Cis-Männer (Menschen, die bei der Geburt als männlich eingeordnet wurden und sich als Männer definieren)
  • für FLT*
  • für Menschen, die körperlich nicht in ein Zweigeschlechtersystem passen
  • für Menschen, die sich keinem Geschlecht klar zuordnen möchten
  • offen für angezogene Menschen (handgeschriebener Nachtrag)

Denkt dran, die Ampel wieder auf „leer“ zu stellen, wenn Ihr die Dusche verlasst.

Die Duschampel ist inspiriert vom Jugendumweltkongress Jukss 2005.

Plakat: Duschampel (A2, PDF, weiß-orange, 2,9 MB)

Nur der Text vom Plakat (RTF, 12 KB) (inkl. einer Ergänzung)

Reflexion

Unsere Erfahrungen mit der Duschampel waren ambivalent: Einerseits gab sie den Bad-Nutzer_innen einen festen Ort, um Bedürfnisse zu artikulieren und auf einer von zwei(?) Duschampeln wurde auch davon Gebrauch gemacht. Andererseits gab es auch die Beobachtung, dass Personen trotz der Ampel nur für sich selbst dachten, im Sinne von „Mich stört es nicht, wenn mich jemand nackt/wenig bekleidet sieht.“ Ungeachtet dessen, dass andere vielleicht keine nackten bzw. wenig bekleideten Personen antreffen möchten. Die Ampel kann der Komplexität sensibler Situationen nicht gerecht werden und sie ersetzt auf keinen Fall die persönliche Kommunikation über gemeinschaftlich genutzte Räume und persönliche Bedürfnisse. Sie kann höchstens dafür sensibilisieren, dass es viele verschiedene Bedürfnisse gibt. Ob dafür eine Aufzählung bestimmter (und damit Nichtnennung anderer) Kategorien überhaupt hilfreich ist, steht für uns zur Debatte.

Die Ampel suggeriert darüber hinaus, dass sie erst hinter der Tür gilt, an der sie klebt, und damit z.B. nicht für den Weg zur Dusche gilt. Darüber sollte nicht vergessen werden, dass Absprachen für alle gemeinschaftlich genutzten Bereiche getroffen werden sollten. Entsprechende Plakate sind dafür eine mögliche, gemeinsame Kommunikationsmöglichkeit.