Hosentaschenzine-Inhalt als reiner Text

Hier findet ihr den gesamten Inhalt des „Hosentaschenzines“ unkommentiert in Textform (ohne Bilder). Auf die meisten Inhalte des Zines sind wir an anderer Stelle im Blog ausführlicher eingegangen.

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Zine für ein umsichtigeres GenderCampen

Herzlich Willkommen liebe GenderCampende!

In Euren Händen haltet ihr das liebevoll zusammengebastelte Awareness-Zine. Es ist das Ergebnis einer Gruppe, die sich über Awareness auf dem GenderCamp Gedanken gemacht hat.

Wir möchten dabei unterstützen, gemeinsam ein Camp zu gestalten, auf dem sich alle möglichst wohlfühlen können.

Das Camp besteht aus einem Haufen einzigartiger Personen mit unterschiedlichen Leben, Erleb­nissen und Vergangenheiten, die uns zu dem machen, was wir jetzt sind. Und dieser Verschiedenheit möchten wir gerne etwas mehr gerecht werden. Das erfordert ein Bewusst-Machen unserer eigenen Position und Offenheit für Positionen von anderen.

Wir befinden uns zu jeder Zeit, an jedem Ort in gesellschaftlichen Strukturen, die Ungleichheiten hervorbringen. Dazu findet ihr hinten im Zine eine Liste zu Texten (S.8), die hilfreich dabei sein können, den eigenen Horizont zu erweitern.

Das GenderCamp soll ein Ort sein, an dem wir Differenzen und unterschiedliche Lebenssituatio­nen respektieren und voneinander lernen können.

Wenn wir unser Un_Wissen zusammenwerfen, um Großartiges damit entstehen zu lassen, ist es hilfreich, unser eigenes Redeverhalten zu bedenken und anzupassen. In den Arbeitsräumen findet ihr Heftchen mit Tipps für Gespräche und Sessions und Plakate mit Redezeichen. Außerdem orientiert Euch bitte an den Namens­schildern (S.4) und sprecht Menschen so an, wie sie es wählen.

Zur Awareness gehört auch, selbstverantwortlich mit den eigenen Grenzen und den Grenzen anderer umzugehen. Passt auf Euch auf und achtet auf die Anderen um Euch! Wenn Ihr Euch nicht gut fühlt, holt euch Hilfe! Redet mit anderen darüber! Ihr findet zudem auf dem Camp eine Feedback-Box (S.6), einen Rückzugsraum (S.7) und viele Leute, die euch gerne unterstützen werden.

Wir möchten euch ermutigen, auf dem Camp eine offene Kritikkultur zu gestalten. Kritik ist nichts Schlechtes, sondern toll, wenn sie dazu beitragen kann, das GenderCamp schöner und angenehmer für alle zu machen.

Wir wünschen uns allen ein fabelhaftes GenderCamp 2012, voller toller Begegnungen und bereichernden Erfahrungen! – Die Awareness-Vorbereitungsgruppe

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Die Duschampel

Die Duschampel regelt die Benutzung der Gemeinschafts­duschen. Wir schlagen sie vor, um das Duschen für alle möglichst angenehm zu gestalten. Die Idee ist, dass Ihr an der Tür beschreiben könnt, wie Ihr duschen möchtet: Allein, mit anderen oder nur mit bestimmten anderen.

Die vorgeschlagenen Kategorien helfen Euch, den Raum zu definieren. Leute, die auch duschen wollen, können sehen, ob der Raum für sie geöffnet ist oder nicht. Die Kategorien sollen und wollen keine „vollständige Realität“ abbilden. Sie bieten eine Hilfestellung an, die Ihr nutzen könnt, wenn Ihr möchtet. Ergänzt die Kategorien gerne um fehlende, die Euch wichtig sind.

Denkt bitte daran, dass Kategorien nie wirklich widerspiegeln können, wie Ihr Euch verortet oder von anderen gelesen werden wollt. Wir bitten Euch deshalb, Euch selbstverantwortlich in diesem Raum zu bewegen und Euch nicht auf die Kategorien als Lösung zu verlassen.

Die Duschampel ist inspiriert vom Jugendumweltkongress Jukss 2005.

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Auf die Namensschilder kommt der (Spitz-)Name, mit dem wir auf dem GenderCamp angesprochen werden möchten. Die Codierung der verschie­denen Namensschilder wurde bereits vorab erklärt; hier noch einmal die Erinnerung:

Es gibt drei verschiedene Namensschilder auf dem Camp, die nichts über unser Gender/Geschlecht aussagen, je­doch darüber, mit welchem Pronomen (er_sie, sein_ihr etc.) wir gerne bezeichnet werden möchten. Die Namens­schilder unterscheiden sich sowohl farblich als auch nach „Strichcode“ und haben folgende Bedeutung:

[Bild: Namensschild mit durchgehendem schwarzen Strich oben, beschriftet mit „Yazmira“]

Das ist Yazmira. Ihr Wunsch ist es, dass über sie mit weiblichen Prono­men gesprochen wird. („sie / ihr“)

[Bild: Namensschild mit gestricheltem schwarzen Strich unten, beschriftet mit „Anna“]

Das ist Anna. Sein Wunsch ist es, dass über ihn mit männlichen Pronomen gesprochen wird. („er / sein“)

[Bild: Namensschild ohne jeglichen Strich, beschriftet mit „Štefanija“]

Das ist Štefanija. Štefanijas Wunsch ist es, dass Štefanija gefragt wird, mit welchen Pronomen über Štefanija ge­sprochen werden soll. („frag mich!“)

Sicherlich kann es passieren, dass wir mal ver­sehent­­lich einen Fehler in der Bezeichnung anderer machen – dies ist kein Welt­untergang, solange wir Korrekturen ohne Widerspruch akzeptieren. 🙂

Nachtrag: Der Strichcode ist im Zine leider nicht ausreichend erklärt worden – er soll jenen Personen helfen, denen es nicht (gut) möglich ist, Farben eindeutig voneinander zu unterscheiden.

Der Strichcode wurde als Bild-Datei erstellt und auf buntes Papier gedruckt, wonach entlang der vorgedruckten Linien die Namensschilder ausgeschnitten und in Plastikhüllen zum Anstecken geschoben wurden.

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Was heißt hier Un_Wissen?

Wir wünschen uns ein Klima, in dem sich verschiedene Stände von Un_Wissen respektvoll und produktiv begegnen können. Dafür ist es wichtig, das eigene Un_Wissen zu teilen, sichtbar zu machen und sich gegenseitig zuzuhören. Informiert Euch bei Anderen, im Netz oder gedruckten Texten. Nutzt die Möglichkeit, andere an Eurem Wissen und Euren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Un_Wissen wird stark von gesellschaftlichen Strukturen geprägt. Bedenkt bitte, dass es sich um ein Privileg handeln kann, wenn ihr euch bisher nicht mit bestimmten Themen auseinandersetzen musstet.

Versucht Euch an Eure Erfahrungen und Gedanken zu erinnern, als ein Thema frisch in Eurem Leben auftauchte. Geht in Gesprächsgruppen bitte behutsam mit Selbstverständlichkeiten um. Wenn nicht alle Beteiligten bestimmte Namen, Begriffe oder Witze kennen, wirkt ein selbstverständliches Benutzen von ihnen ausschließend.

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Zimmertausch?

Du bist auf dem GenderCamp angekommen, hast Dein Zimmer bezogen und fühlst Dich unwohl oder unwillkommen? Du denkst über Zimmertausch nach bzw. weißt schon, dass Du unbedingt in ein anderes Zimmer umziehen möchtest? Du glaubst, dass sich mögliche Konflikte oder Unwohlsein auch in den nächsten Tagen nicht legen werden?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten:

Entweder organisierst Du selbstständig einen Zimmertausch und stellst sicher, dass alle Involvierten einverstanden sind. Falls Du das nicht kannst / willst, kontaktiere bitte eine Person aus dem A-Team oder aus dem O-Team und wir werden gemeinsam schauen, ob es die Möglichkeit gibt, Zimmer zu tauschen bzw. Konflikte aus dem Raum zu schaffen.

 

Feedback, Lob & Kritik helfen, das Camp so zu gestalten, dass sich alle wohlfühlen. Wenn Ihr wollt, könnt ihr diese(s) auch anonym äußern. Dazu wird es eine sogenannte „Feedback-Box“ für schrift­liche Nach­richten geben, mit denen dann auf drei Wegen verfahren werden kann:

  1. Vortragen auf den Gruppenplena
  2. Aushängen an einer „Feedbackwand“
  3. Handlungsanstoß fürs Orga-Team

Bitte vermerkt auf Eurer Nachricht, welche Variante Ihr euch wünscht (die Namen anderer Teilnehmer_innen werden jedoch nicht öffentlich genannt/ausgehängt). Die Box wird morgens und abends vom Orga-Team geleert werden und sich in einem Toilettenraum befinden, der für alle zugänglich sein wird – so könnt Ihr Eure Nachrichten einwerfen, ohne aufzufallen.

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Rückzugsraum

Der Rückzugsraum ist ein Raum in Eurer Verantwortung.

Er bietet eine Rückzugmöglichkeit für Situationen, in denen es Euch wichtig ist, die große GenderCamp-Gruppe mal zu verlassen. Dort könnt Ihr allein sein oder Euch mit selbst gewählten Gesprächspartner_innen zurückziehen.

Alle sollten die Möglichkeit haben, den Raum mal zu nutzen. Deshalb sollte der Raum nicht dauerhaft von denselben Personen belegt sein.

Damit Ihr im Rückzugsraum nicht gestört werdet, könnt Ihr an der Tür einstellen, ob der Raum frei oder belegt ist. Bevor Ihr reingeht, schaut bitte nach, ob der Raum gerade als frei gekennzeichnet ist. Wenn nicht, dann respektiert dies bitte und geht nicht hinein. Der Raum ist unbetreut, d. h., dass es (von Seiten der Orga- oder awareness-Vorbereitung her) weder feste Ansprechpersonen im Rückzugsraum gibt noch eine professionelle Mediation in Konfliktfällen.

Wo ist der Rückzugsraum?

Der Raum ist im Haupthaus unterm Dach. Folgt den Schildern!

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Schmöker Ecke

Hier findet ihr Lese-, Video- und Audioempfehlungen zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Machtverhältnissen und zu einigen Begriffen, die in queer_feministischer Praxis & Theorie eine Rolle spielen. Einige Links bieten sich als gute & einfach verständliche Einführungslektüre an (“Erklärbär-Text”), andere verlangen etwas Vorwissen_Sensibilisierung für das Thema.

Gesellschaftliche Verhältnisse sind in ihrer Verwobenheit schwer einzeln zu fassen. Um einen leichteren Einstieg zu gewähren, haben wir unsere Empfehlungen deshalb alphabetisch sortiert & uns Mühe gegeben, deutschsprachige Quellen zu finden. Wir verstehen diese Liste nicht als vollständig, sondern lediglich als einen Ausgangspunkt.

  • Alter(sdiskriminierung)
  • Behinderungen / Dis_ability
  • Beziehungsweisen, Polyamorie
  • Bildung(szugänge), Class/Klasse/Schicht
  • Dominantes Redeverhalten
  • Gender
  • Homofeindlichkeit / Heteronormativität
  • Inter*
  • Lookism
  • Queer
  • Rassismus / Kritische Weißseinsforschung
  • Sexismus
  • Trans*(-feindlichkeit)
  • Umgang mit Diskriminierung und Gewalt

Die Links sind auf gendercamp.posterous.com/schmoker-ecke-88544 veröffentlicht. Gerne können dort weitere Lesetipps ergänzt werden! Schickt einfach eine E-Mail mit Stichwort „Schmöker-Ecke“ an gendercamp@posterous.com.